Kirchlauter
Volltextsuche

Neubrunn

 

 

Die von steilen Hängen umgebene Siedlung dürfte sich erst im 9. Oder 10. Jahrhundert entwickelt haben. Eine erste Erwähnung von „Nuwenbrunnen“ findet sich in einer Schenkungsurkunde des Jahres 1151, in der ein Edelfreier, Ekkehart von Hellingen, seine Güter im Dorf an das Bamberger Kanonikerkloster St. Jakob schenkt, weil es dessen Sohn ins Kanonikerstift aufgenommen hat. Ob der Ortsname „Neubrunn“ auf einen „Neuen Brunnen“ oder auf „Neun Brunnen“ zurückzuführen ist, muss offen bleiben. Im engeren Siedlungsbereich finden sich tatsächlich neun benannte Quellen.

Neubrunn war ein typisches Ganerbendorf. Bis zu zehn verschiedene Grundherren besaßen über die Jahrhunderte zur gleichen Zeit Lehen und Rechte wie die Familie der Flieger, die Herfuoz, von Heide, die Fuchs, von Bibra, Greuel, von Seckendorf, von Coburg, von Rotenhan, Stein von Altenstein, Erthal zu Leuzendorf, von Wiesentau, von Aufsess, die Pfarrei Zeil, das Gotteshaus Neubrunn, von Guttenberg und viele andere. Der Großteil der Güter und Lehen lag in der Hand des Würzburger Hochstifts. Drei Besitzlehen gehörten in das sächsische Amt Königsberg.

Die hochstiftische Verwaltung der Siedlung wurde im würzburgischen Amt Eltmann/Wallburg vorgenommen, an deren Gerichtszent die schweren Kriminalfälle behandelt wurden. Ab 1690/92 wechselten jedoch alle Lehenuntertanen in das vom Würzburger Bischof neu gegründete Amt und die Zent Kirchlauter, wo auch die schweren Kriminalfällen abgeurteilt wurden.
Nach der Säkularisation kam Neubrunn 1814 in das Patrimonialgericht und 1831 in das Landgericht Gleusdorf. Seit 1862 gehörte die inzwischen eigenständige Gemeinde ins Rentamt Ebern und das Landgericht Baunach. Seit 1971 wird das Dorf im Kreis Haßberge verwaltet und es wurde 1978 Ortsteil der Gemeinde Kirchlauter.
Um 1600 erhielten die Kinder in der Winterzeit bereits Unterricht, jedoch sprechen die Quellen erstmals 1690 von einem eigenen Schulhaus, das neben der Kirche lag.
1840 wurde die alte Zehntscheune mitten im Dorf zum Schulhaus genommen, das man 1904 aufgestockte.
Zwischen 1937 und 1939 erbaute die Gemeinde in Eigeninitiative ein Kindergartengebäude.

Die dem heiligen Apostel Andreas und der heiligen Katharina von Alexandrien geweihte Filialkirche von Neubrunn wird schon bei der Pfarreigründung von Kirchlauter 1445/46 genannt. Wohl viel zu klein und um der ständig wachsenden Bevölkerung gerecht zu werden, muss sie in den Jahren 1777 bis 1779 einem völligen Neubau unter der Leitung des Bamberger Stadtbaumeisters Johann Josef Vogel weichen. Die bis heute immer noch in vollständig frühklassizistischem Stil erhaltene Einrichtung wurde durch die Knetzgauer bzw. Bamberger Bildhauerfamilie Moritz in den Jahren 1784 bis 1797 geschaffen. Die einfachen Stuckierungen stammen von Michael Krieger aus Bad Königshofen, die Figuren an der Fassade von Paulus Zehr, ebenfalls aus Bad Königshofen. Der Bau wurde 1974/75 mit zwei Querschiffen versehen.

Quellen und Literatur: Norbert Kandler, Geschichte der Pfarrei und ihres Umfeldes bis zur Barockzeit, Würzburg, 1985. Ders. Lutere-Lauter-Kirchlauter, Würzburg 1995. Ders. Kirchen, Kapellen und Schloß in der Pfarrei Kirchlauter, Würzburg 1995. Ders. Die Mariä-Himmelfahrtskirche zu Kirchlauter, 2009. Ders. Kirchlauter, in: Körner/Schmid (Hrsg.) Handbuch der Historischen Stätten, Bayern II, Franken, S. 262 f. Hellmut Kunstmann, Schloss Kirchlauter, Neustadt/Aisch, 1976. Norbert Kandler, Neubrunn, Filialort und Gotteshaus, Kirchlauter 1984. Ders./Herbert Roller, Neubrunn, ein Haßbergdorf, 2001.



zurück