Kirchlauter
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Gemeinde Kirchlauter - Vergangenheit und Gegenwart

Südliche Hänge, klares Wasser, Wild- und Fischreichtum waren sicherlich die ausschlaggebenden Punkte für Slawen, etwa im 8. Jahrhundert hier in unserer Gegend seßhaft zu werden. Unschwer ist zu rekonstruieren, dass die Stelle nördlich der Lauterquelle, im Bereich des heutigen Kindergartens und der Brunnenstraße, der Platz der ersten Ansiedlung war.
Am 30. Dezember des Jahres 1145 trat vor den Bischof Egilbert auf dem Michelsberg in Bamberg ein "Marquart de Lutere" als Zeuge auf. Diese Urkunde belegt die erste Nennung von Kirchlauter, so dass der Ort vom 30.12.1995 bis zum 30.11.1996 mit einem umfangreichen und an Höhepunkten reichen Programm seinen 850. Geburtstag feiern konnte.

Auf den anderen Seiten des Rennweges, der von Hallstadt bis nach Königshofen und weiter nach Erfurt führt und bereits vor etwa 2500 Jahren nachgewiesen wurde, liegt die größte Ortschaft der Gemeinde, Neubrunn. Eingebettet in ein Seitental des Ebelsbaches, dem Neubrunn - Tal. Die Hanglage zwang dazu, dass sich das Altdorf im Talgrund des Neubrunn - Baches zusammendrängt und dadurch seinen eigenwilligen Reitz bekam. Neubrunn, das seinen Namen wahrscheinlich von "Neun Brunnen" hat, die im und um den Ort herum an vielen Quellhorizonten zutage treten, wurde erstmals im Jahre 1151 erwähnt. In diesem Jahr schenkte ein Eckhard von Hellingen ein Gut an das Kanonikerstift St. Jakob in Bamberg, weil dieses seinen Sohn aufgenommen hatte. Mit dem Gut "zu Nuwenbrunnen" ist ohne Zweifel unser Neubrunn gemeint. Es kann davon ausgegangen werden, dass zur Zeit des fränkisch-karolingischen Landausbaues, also im 8. Jahrhundert, auch in Neubrunn die ersten Ansiedlungen erfolgten. Das nach Süden offene Tal, Wasser und damit Fisch- und Wildreichtum waren sicherlich ideale Bedingungen, um hier sesshaft zu werden.

Ein markantes Datum in der Geschichte beider Dörfer ist das Jahr 1445. Ausgestattet mit einem finanziellen Grundstock in Höhe von 300 Gulden, den eine nicht namentlich genannte Person stiftete, um eine Pfarrei zu gründen, wurden am 10. Juni 1445 Güter des Heinz von Füllbach und seiner Frau Els in Kirchlauter erworben und bildeten den Grundstock für die am 15.01.1446 errichtete Pfarrei. Gemeinsam mit dem Geburtstag von Kirchlauter konnte 1996 so auch der 550. Geburtstag der Pfarrei gefeiert werden.

Auch die Herren von Guttenberg, die 1502 Eigentum in Kirchlauter erwarben und ununterbrochen bis 1968 Herren des Schlosses in Kirchlauter waren, dienten über Jahrhunderte hinweg als Bindeglied zwischen den Dörfern. Die heutige Schlossbesitzerin Elisabeth Gräfin Stauffenberg ist eine geborene Freiin von und zu Guttenberg.

Die beiden Hauptorte der "Hauptstadt der heiligen Länder" sind es wert, dass man sich etwas mehr Zeit für sie nimmt. Sehenswert sind in Kirchlauter das von 1688 bis 1698 erbaute Guttenberg´sche Wasserschloss, das mit seinen Parkanlagen eine in sich geschlossene Einheit darstellt.
Gleiches gilt für das 1738 im barocken Stil erbaute Pfarrhaus und die 1752 fertiggestellte Marienkirche. Sie gilt als eine der einheitlichsten Rokoko-Kirchen im Landkreis und beherbergt eine der ältesten Fresken Frankens, die von Dr. Norbert Kandler, einem aus Neubrunn gebürtigen Heimatforscher, auf die Zeit um 1375 datiert wird.

Die Einrichtung des Schmiedemuseums, die Neugestaltung des Lauterbaches, sowie des Dorf- und des Kirchplatzes wurde 2001 abgeschlossen. Sehenswert in Neubrunn ist das gesamte Dorfensemble, das im Zuge der im Jahr 2000 abgeschlossenen Dorferneuerung noch einmal "aufpoliert" wurde. Der Dorfmittelpunkt mit der von 1777 bis 1779 erbauten Barock-Kirche, dem danebenstehenden kleinen alten Schulhaus, den Stein- und Fachwerkhäusern, dem neu renovierten Grundschulgebäude und dem Brunnenhaus, ist ein fränkisches Kleinod. Auch die neuerrichteten vier Prozessionskapellchen, teil historisch, teils modern, sind des Verweilens wert. Auch ein Besuch des 1971 freiwillig nach Kirchlauter eingemeindeten Dörfchens Pettstadt lohnt sich für jedermann. Nicht ohne Grund wurde Pettstadt im Jahr 2000 beim Wettbewerb "Unser Dorf soll schöner werden - Unser Dorf hat Zukunft" als schönstes Dorf Unterfrankens mit einer Goldmedaille ausgezeichnet.
Bei der Gemeindegebietsreform 1978 lösten sich die beiden Gemeinden Kirchlauter und Neubrunn mit Beschluss ihrer Gremien auf und bilden seither gemeinsam die Gemeinde Kirchlauter. Diese wiederum ist an die Verwaltungsgemeinschaft Ebelsbach angegliedert.

Beim Einmarsch der Amerikaner am 12. April 1945 kamen die Bewohner von Neubrunn mehr oder weniger mit dem Schrecken davon. In Kirchlauter wurde jedoch durch eine versprengte Truppe Widerstand geleistet, so dass das Dorf durch den anschließenden Beschuss der Amerikaner sehr gelitten hat.
Heute sind die Wunden meist verheilt; in die Gemeinde ist das eingezogen, was man "bescheidenen Wohlstand" nennt. Die heimatliche Scholle und die Arbeit vor Ort ernährt heute nur noch eine Minderheit der Bewohner, obwohl alles, was man auf dem Dorf braucht, vorhanden ist. Die Arbeitsplätze der Industrie in Ebern, Eltmann und im Raum Bamberg/Schweinfurt sind die hauptsächlichen Einkommensquellen.

Jedes Dorf der Gemeinde für sich kann auf eine jahrhundertelange Tradition zurückblicken. Jedes für sich hat die Stürme der letzten Jahrhunderte und auch die Herausforderungen der Neuzeit gemeistert. Die Gemeinde Kirchlauter ist ihren Bewohnern liebenswerte Heimat geblieben - ja immer mehr geworden. Die Leute, nicht nur von Erbfaktoren geprägt, sondern auch von der rauen Schönheit der Landschaft, sind nicht nur arbeitsam und aufgeschlossen, sondern auch beseelt von Heimattreue und Gemeinschaftsgeist. Die Gemeinde wird Dank ihrer Bewohner auch die Herausforderungen der Zukunft erfolgreich meistern.