Ebelsbach
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Rudendorf

Der Ort wurde wahrscheinlich um 800 nach Christus im Zuge der karolingischen Rodungsphase gegründet, doch gibt es aus dieser Zeit keine schriftliche Überlieferung. Der Name Rudendorf könnte auch als "zum Dorf des Ruodo" interpretiert werden. Die Siedlung wäre demnach bereits im 5. bis 7. Jahrhundert entstanden. Eine andere Deutung des Namens ergibt "zum Dorf, das mit Rutengeflecht eingefasst ist".
Zunächst gehörte Rudendorf zur Burg Stufenberg (Stiefenberg), die dem Herzog Otto von Meran gehörte. Da dieser 1248 ohne männlichen Erben starb, wurde sein Besitz unter seinen drei Schwiegersöhnen aufgeteilt.
So ging die Stiefenburg mit den zugehörigen Dörfern, darunter auch Rudendorf, an den Grafen von Truhedingen. Das Amt Stufenberg gehörte zum Hochstift Bamberg und wurde erstmals 1323 unter den Bamberger Ämtern erwähnt. Kirchlich gehörte der Ort bis 1390 zur Urpfarrei Eltmann, danach zur Pfarrei Stettfeld.
Der letzte Graf von Truhedingen verkaufte Rudendorf 1445 an den Herrn von Giech.  1482 versetzte Bernhard von Giech die Hälfte des Ortes um 500 Gulden an Veit von Rotenhan zu Rentweinsdorf. Rudendorf hatte somit zwei Lehensherrschaften.
Schon 1520 veräußerten Albert und Eberhard von Giech auch die andere Ortshälfte um 510 Gulden an Götz von Rotenhan. Nun beanspruchte diese Adelsfamilie die Ausübung der hohen Gerichtsbarkeit (Mord, schwerer Diebstahl, Notzucht, Brandstiftung) über ganz Rudendorf. Zuständig war das Centgericht Rentweinsdorf.

Schlacht zwischen Bauern und Rittern bei Rudendorf?

Im Bauernkrieg des Jahres 1525 soll eine Schlacht zwischen Bauern und Rittern bei Rudendorf stattgefunden haben. Darauf könnte noch der Flurname "Todenfeld" hinweisen. Zu Beginn unseres Jahrhunderts fand man hier sowohl menschliche als auch Pferdeskelette vergraben.
Die Reformation hielt in Rudendorf 1533/34 Einzug. Sie wurde von Hans von Rotenhan eingeführt. Erstmals eigenständige protestantische Pfarrei wurde der Ort zwischen 1580 und 1600. Gestiftet wurde die Pfarrei von Hans Georg und Christoph von Rotenhan. Der wohl erste Pfarrer in Rudendorf wurde jedoch schon 1604 gefangen genommen und aus dem Hochstift Würzburg vertrieben.
Bals darauf gab es wieder Streit mit dem Bischof von Würzburg: 1616 ließ Eva von Rotenhan, Witwe des Hans Georg von Rotenhan, in Rudendorf eine Kirche erbauen. Der Bischof jedoch wollte dem Ort keine eigene Pfarrkirche zugestehen, da er zur Pfarrei Stettfeld gehörte.

Der Dreißigjährige Krieg (1618-1648) spielte Rudendorf schwer mit: Als Folge von Krieg, Hunger und Seuchen war das Dorf 1644 von allen Bewohnern verlassen.  Nach dem Krieg bemühte sich Matthäus von Rotenhan um die Ansiedlung neuer Bewohner. Sie kamen aus Baiersdorf, aus den Fürstentümern Lobenstein und Waldeck und aus dem Vogtland. Auch schwedische Soldaten, die der Krieg hierher geführt hatte, siedelten am Ort.
Die Pfarrei Rudendorf konnte aus Geldmangel nicht mehr errichtet werden. So gingen die Dorfbewohner zur Messe nach Gleisenau oder in die Schlosskapelle Ebelsbach.
Rudendorf war für eine gewisse Zeit eines der reichsten Rotenhanschen Besitztümer, doch um 1700 nahm die Armut aufgrund zu starker Besitzzerstückelungen immer weiter zu. Eine Folge davon war der Verfall der unbenutzen Rudendorfer Kirche, die 1764 schließlich abgerissen wurde. An ihrer Stelle errichtete man stattdessen die Gemeindeschmiede.
Schon 1691 begründete die Familie von Rotenhan in Rudendorf eine Schule. Der Schneider Johann Georg Müller war der erste Lehrer. Das Schulhaus wurde dann erst um 1820 gebaut.
Rudendorf besaß auch ein Schloss, das wahrscheinlich von den Grafen von Truhedingen erbaut worden war. Später wohnten darin wohl unverheiratete Damen derer von Rotenhan. Im 18. Jahrhundert verkauften die von Rotenhan das Schloss an Peter Koch in Rudendorf, der es schließlich abreißen ließ.
Von 1810 bis 1814 gehörte Rudendorf zum Großherzogtum Würzburg, dann kam es endgültig zum Königreich Bayern.
1848 verlor die Familie von Rotenhan ihr Jagdrecht und die Gerichtsbarkeit in Rudendorf.

Schon 1808 war die protestantische Gemeinde Rudendorf nach Gleisenau eingepfarrt worden. Erst 1953 begann man den Kirchenneubau auf dem sogenannten Schlossberg. Seit 1978 ist der Ort an die Gemeinde Ebelsbach angeschlossen.



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